Go Vokabular
Eine Liste von Wörtern, die dir in Vorlesungen, Büchern oder Unterhaltungen über Go begegnen werden.
Es ist nicht nötig, sie auswendig zu lernen. Die meisten davon wirst du oft hören oder sie werden dir im Spiel begegnen. Dadurch wirst du schnell mit ihnen vertraut werden. Für Go-Neulinge könnte eine Auflistung aber ganz nützlich sein.
Einige Begriffe beschreiben Konzepte, deren Verständnis Voraussetzung zum stärker zu werden ist, z.B. Aji oder Suji.
Wo sinnvoll, ist der deutsche Begriff angegeben. Es gibt japanische Begriffe, die sich auch in der deutschsprachigen Go-Szene etabliert haben, meist weil sie einfach auszusprechen sind oder weil es keine gute Übersetzung dafür gibt.
Die Begriffe sind lose nach Kontext geordnet. Zu einem späteren Zeitpunkt könnte eine andere Reihenfolge notwendig werden.
Sente und Gote
Wörtlich «Vorhand» und «Nachhand». Ein Zug, der beantwortet werden muss ist Sente, sonst «Gote».
Tenuki
«Die Hand wegziehen». Nicht auf einen Zug antworten (er wird damit Gote), sondern woanders spielen.
Kikashi
Absolutes Sente. Ein Zug, der lokal beantwortet werden muss. Resultiert in Korigatachi. Wird meist gespielt, um gegnerische Steine in schlechte Form zu bringen, z.B. um aus dem Maul des Tigers einen Piratenhut zu machen.
Fuseki
Die Eröffnung. Das noch fast leere Brett wird grob aufgeteilt. Es gibt viele Arten dies zu tun, einige davon tragen Namen: Die chinesische Eröffnung, das San-Ren-Sei, die Kobayashi Eröffnung etc.
Mittelspiel
Wenn keine grossen Eröffnungszüge mehr übrig sind und strategische Überlegungen gemacht werden müssen, um Punkte zu gewinnen oder um gegnerische Gebiete zu reduzieren.
Spätes Mittelspiel
Nur noch taktische Manöver sind übrig, schwere Kämpfe werden ausgetragen, gründliches Lesen ist nötig. Die meisten Partien werden in diesem Stadium gewonnen oder verloren.
Endspiel
Japanisch Yose. Es gibt keine Gruppen mit unklarem Status mehr, die angegriffen werden könnten. Züge werden nach Grösse/Wert in absteigender Folge gespielt.
Aji
«Geschmack». Bezieht sich auf Stellungen, in denen es noch Potential gibt, in denen aber nicht sofort gespielt wird. Zum Beispiel, weil es im Moment zu wenig Punkte bringt oder weil die Möglichkeiten abhängig vom Ausgang einer benachbarten Situation sind. Aji kann«gut» oder «schlecht» sein.
Schwer
Steine, die zu wertvoll sind, um sie im Stich zu lassen. Ein gutes Angriffsziel.
Leicht
Steine, die nicht gerettet werden müssen, jedenfalls nicht vollständig.
Di … Dings
Japanisch: Atsui (dicht), englisch ‘thick’. Hier fehlt ein passender deutscher Begriff (Dicht? Dick?) Gemeint ist eine Position mit hoher Resilienz.
Dü … Dings
Japanisch: Usui (dünn), englisch ‘thin’. Steine, die unzureichend verbunden sind und entzweigeschnitten werden können.
Effizienz
Das Hauptkriterium, um einen Zug oder eine Position zu evaluieren. Siehe Suji, Form, Klumpen.
Form
Japanisch Katachi. Eine (meist) resiliente Position. Machmal gibt es dafür spezifische Namen, z.B. Bambus, Tigermaul etc.
Gute Form
Eine korrekt gespielte, resiliente Position. Steine, die gut zusammenarbeiten.
Schlechte Form
Eine schwer zu verteidigende Position aus ineffizient gespielten Steinen. Resultiert nicht selten in einem Nachteil, ohne dass ein direkter Angriff nötig ist.
Klumpen
Japanisch ‘Dango’ (eine Süssigkeit aus klebrigem Reisteig). Steine, die sich gegenseitig Freiheiten wegnehmen (meist ein leeres Dreieck mit zusätzlichen Steinen).
Vulgärer Zug
In den meisten Fällen schlechte Suji. Ein Zug der in den meisten Fällen in einem Nachteil mündet, der Potential für Tesuji vernichtet.
Jōseki
Eine etablierte Sequenz für bestimmte Situationen, die in einem gleichwertigen Abtausch resultiert. Oft in einer Ecke, manchmal an der Seite. Viele Jōseki wurden durch KI neu evaluiert, manche sogar obsolet.
Korigatachi
Eine ausgespielte Situation. Gilt es in vielen Fällen zu vermeiden, um Potential (Aji) für Angriffe, Invasionen oder zumindest für Kō Drohungen zu bewahren.
Damè
Japanisch für Freiheit oder neutrale Punkte, je nach Kontext.
Damè-Zumari
Mangel an Freiheiten. Gilt es um jeden Preis zu vermeiden. Oft das Resultat von schlechter Suji (Vulgären Zügen), schlechter Form oder von Korigatachi.
Suji
Die Art und Weise, wie Steine lokal miteinander interagieren – wie sie sich anordnen, verbinden oder scheiden und wie sie sich zu bestimmten Form entwickeln. Es gibt gute und schlechte Suji. Gute Suji führt zu Tesuji, schlechte Suji führt zu schlechter Form und Ineffizienz, und verhindert Tesuji.
Anmerkung: Gute Suji ist fast immer gleichbedeutend mit guten Zügen, aber nicht immer. Schlechte Suji unter Ignoranz von Suji resultiert hingegen durchgehend in schlechten Zügen (sinngemäss zitiert aus Yoda Norimotos Buch ‘die Sujiba Theorie’).
Wegwerf-Steine
Japanisch Kasu Ishi. Steine, die ihren Dienst erbracht haben und keinen weiteren Nutzen haben. Zum Beispiel ein Stein, der das feindliche Tigermaul zum Piratenhut verwandelt hat (siehe Kikashi).
Basis
Eine kleine Fläche in der Ecke oder am Rand, in welcher eine Gruppe Augen machen könnte.
Angriff
Ein Zug, der die Basis einer Gruppe wegzunehmen droht. Führt öfter zu einer Bewegung auf dem Brett, als zum eigentlichen Fang von Steinen und muss darum unter Berücksichtigung der globalen Situation (des ganzen Bretts) erfolgen.
Furikawari
Ein (üblicherweise grossflächiger) Abtausch von Gruppen, der in einer Neuaufteilung der Territorien resultiert.
Namen von Zügen
In der japanischen Go-Terminologie gibt es für fast jede Art von Zug eine Bezeichnung. Für die meisten davon gibt es keine etablierte deutsche Übersetzung und in den meisten Fällen ergeben sich ad hoc Bezeichnungen aus dem Kontext. Aber wieso sich nicht einmal Zeit nehmen, sich die schiere Anzahl vor Augen zu führen?
- Hane: ein diagonaler sich anschmiegender Kontaktzug, der eine Freiheit der gegnerischen Steine reduziert.
- Tobi Sprung geradeaus
- Keima: Sprung schräg und geradeaus.
- Hane-Komi: Ein Hane, der sich zwischen zwei Steine drängt.
- Hane-Dashi: Ein Hane in eine Keima rein (einen Schnitt antizipierend).
- Tsuke: (Betonung auf dem e) Kontaktzug, der eine Freiheit reduziert (auch sich selbst).
- Tsuke-Koshi: durch eine Keima Verbindung springen (um diese zu schneiden).
- Nobi: Vorwärtsbewegung durch das anfügen eines Steins (auch «strecken»).
- Narabi: Anfügen eines Steins, aber nicht in einer Vorwärtsbewegung (wörtlich «anreihen»).
- Kosumi: Diagonaler Zug, der alle Freiheiten behält.
- Sagari: Strecken nach unten (gegen den Rand).
- Oshi: Schieben (Spezialform von Nobi)
- Hai: Kriechen dem Rand entlang, oder unter einer Reihe von gegnerischen Steinen (Spezialform von Nobi)
- Ate: Die vorletzte Freiheit nehmen (resultiert in Atari).
- Kakae: Die vorletzte Freiheit nehmen, neben mehr als einem Stein, so dass der Ursprung einer Treppe entsteht.
- Osae: Gegen den Rand abblocken (Spezialform von Hane).
- Oki: Platzierung in feindlichem Territorium, z.B. um Augenform zu verhindern.
- Butsukari: Einen Stein anfügen, so dass er vertikal feindliche Steine berührt (Spezialform von Nobi).
- Kiri: Schnitt
Anmerkungen zur japanischen Sprache
- Der Buchstabe j wird gleich ausgesprochen wie im Englischen.
- Jede Silbe ist gleich lang. Falsch: «Sagaari», «Tesuuji». Richtig: «Sa-ga-ri», «Tèsujì». Doppelt falsch: «Yoseeki». Extrem falsch: «Daame-Zumaari».
- Doppelte Vokale (aa, ii, uu, ee/ei, ō/oo/ou) sind separate Silben, werde also gedehnt: «Shuusaku», «jooseki», «Koo», «Oogeima».
- ae sind zwei Silben: Ma-eda
- Das u wird in manchen Fällen verschluckt: Tsuke wird «tske», Butsukari «butskari» ausgesprochen. Hingegen wird das u in Suji, Tenuki, und Kosumi ausgesprochen.
- Fun fact: Im Japanischen gibt es weder Ein- noch Mehrzahl. Ob ein Wort im Plural steht oder nicht, ergibt sich aus dem Kontext. Zum Beispiel kann das Wort Ishi sich auf einen einzelnen Stein beziehen oder auch auf eine grosse Gruppe von Steinen.